Naturblog

2018: Gutes Jahr für die Vögel in Münchenstein

2018 war für Münchenstein, was die Vogelsichtungen betrifft, wieder ein gutes Jahr.

Auf der ornithologischen Meldeplatform ornitho.ch wurden 5'168 Meldungen aus Münchenstein gemacht und 114 (Vorjahr 126) Vogelarten wurden gemeldet.

Alle Beobachtungen von 2018 stammen von 65 (Vorjahr 56) Beobachterinnen und Beobachtern. Das ist  ein Rekord und dokumentiert schön, dass das Beobachten von Vögeln an Popularität gewinnt.

Zwei Vogelarten 2018 erstmals gesichtet

Zwei Arten sind neu für Münchenstein: die Zaunammer, die im Gruthgebiet beobachtet wurde und der Waldwasserläufer, der im neu gestalteten Obstgarten Hofmatt für ein paar Tage Rast machte. Diese zwei neuen Arten erhöhten die Gesamtzahl der je in Münchenstein beobachteten Vogelarten auf 168!

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2018 erstmals in Münchenstein gesichtet: Der Waldwasserläufer. (Foto: Annegret Schnider)

Waldwasserläufer erstmals in Münchenstein

Waldwasserläufer brüten nicht in der Schweiz, ihre Brutgebiete befinden sich weiter nördlich. Zur Zugzeit kann man sie aber bei uns manchmal an ruhigen Gewässern mit wenigen Störungen antreffen.

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Spieglein, Spieglein ... – der Waldwasserläufer im Teich Obstgarten Hofmatt. (Foto: Annegret Schnider)

Den Winter verbringen Waldwasserläufer im Mittelmeerraum und weiter südlich bis ins tropische Afrika. Der Waldwasserläufer im Obstgarten Hofmatt hat sich aber anscheinend entschieden, den Winter bei uns zu verbringen. Er wurde auch mehrmals am Münchensteiner Birsufer entdeckt. Waldwasserläufer sind an und für sich sehr scheu und lieben die Deckung. Trotzdem schien ihm der Obstgarten Hofmatt sehr zuzusagen.

Erstmals zu Besuch in Münchenstein: der Waldwasserläufer

Die beiden neuen Weiher im Obstgarten Hofmatt sind auch für andere Vögel offensichtlich sehr attraktiv. Regelmässig sucht eine Gebirgsstelze das Ufer nach Futter ab, der Zaunkönig und der Grünspecht waren da und eben der Waldwasserläufer.

Das Jahr 2018 hat viele weitere gute ornithologischen Nachrichten gebracht, beispielsweise bei den Eisvögeln.

2018: ein gutes Jahr für die Eisvögel!

Während bei den Vogelsichtungen von 2017 ein Rückgang der  Eisvogelbeobachtungen zu verzeichnen war, hat sich der Bestand des Eisvogels nach dem verheerenden Winter 2016/17 offensichtlich gut erholt und man kann diesen eleganten Vogel jetzt wieder regelmässig an der Birs beobachten.

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Der Eisvogel ist wieder regelmässig an der Birs zu sehen. (Foto: Andi Meier)

Der Neuntöter hat nach einem Jahr Absenz wieder im Gruth gebrütet und an mehreren Stellen in Münchenstein konnte man abends die Nachtigall hören.

Aussergewöhnliche Gäste im Park im Grünen

Auch im Park im Grünen konnte man 2018 interessante Beobachtungen machen.

So rastete dort diese seltene Knäkente während des Frühlingszuges und tuckerte im April über den Teich.

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Diese seltene Knäkente zeigte sich im Park im Grünen. (Foto: Peter Ertl)

Knäkenten kehren Ende März, Anfang April aus ihren afrikanischen Winterquartieren zu den Brutgebieten im Norden zurück und künden damit den nahenden Frühling an.

Die Weisswangengans, die bereits 2016 einen Ausflug aus dem Basler Zolli in den Park im Grünen in Münchenstein gemacht hatte, war 2018 wieder zu Gast.

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Ferien in Münchenstein: Weisswangengans (auch Nonnengans genannt) aus dem Zolli. (Foto: Andi Meier)

Die Nonnengans spazierte durch den Park im Grünen (Grün 80) und schloss sich den Nilgänsen an. Sie half sogar beim Betreuen von deren Jungen!

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Die Weisswangengans aus dem Zolli freundete sich mit den Münchensteiner Nilgänsen an. (Foto:Andi Meier)

Nonnengänse sind normalerweise nicht so weit im Süden anzutreffen, daher rätselte man, wo sie wohl herkam. Der Ring zeigte, dass sie aus dem Zoo Basel stammte. Bereits 2016 wurde in der Grün 80 eine Nonnengans gesichtet und der Ring konnte abgelesen werden.

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Der Ring verriet die Weisswangengans. (Foto: Peter Ertl)

«Zoo Basel» stand darauf. Nach ein paar Wochen kehrte sie wieder in den Zoo Basel zurück. Wir sind gespannt, ob wir sie nächstes Jahr wieder in Münchenstein begrüssen dürfen.

Zwischen den Lachmöwen, die hier überwintern, konnte man zusammen mit den Möwen aus der Schweiz, Tschechien und der Slowakei auch eine Lachmöwe, die in Russland beringt wurde, sehen.

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Diese Lachmöwe aus Russland machte 2018 Winterferien in Münchenstein. (Foto: Peter Ertl)

Das ist doch ziemlich aussergewöhnlich! Peter Ertl fotografierte ihren Ring MOSKVA PS22707. Lachmöwen aus dem Osten machen also offensichtlich Winterferien in Münchenstein!

Kraniche flogen 2018 über Münchenstein

Die Kraniche flogen – nach einem Jahr Absenz – während des Herbstzuges mehrmals über Münchenstein. Man konnte ihre typischen, nächtliche Zugrufe hören. Dass bei uns Kraniche gesichtet werden, ist sehr speziell, denn bis Herbst 2013 befand sich die Zugroute der Kraniche in ihr Winterquartier viel weiter nördlich.

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Fliegen erst seit 2013 über Münchenstein: Kraniche. (Foto: Annegret Schnider)

In der Schweiz gab es früher praktisch keine Sichtungen von Kranichen. Dann gab es damals Ende Oktober einen heftigen Wintereinbruch, der bewirkte, dass die Kraniche auf ihrem Zug nach Süden ausweichen mussten. So konnten wir auch über Münchenstein erstmals ziehende Kraniche beobachten.

Erst seit einigen Jahren fliegen Kraniche über Münchenstein

Die Vogelwarte Sempach meldet, dass sich in den letzten Jahren Ende Oktober/Anfang November ein immer stärkerer Zug von Kranichen über die Achse Ungarn - Österreich - Bayern - Schweiz in Richtung Südfrankreich abzeichnet.

Auch die Bergfinken waren wieder zu Besuch. Nicht jeden Winter haben wir das Glück, die hübschen Bergfinken aus dem Norden bei uns beobachten zu können.

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Bergfinken in Münchensteiner Garten. (Foto: Annegret Schnider)

Der Besuch der Bergfinken hängt davon ab, ob sie in ihrem angestammten Gebiet genügend Futter finden, und ob bei uns viele Buchen Buchnüsschen tragen. Im Winter 17/18 gab es sehr wenige Bergfinken, die zum Überwintern in der Schweiz auftauchten. Sobald es wärmer wurde, kehrten sie  in ihr Brutgebiet im Norden (Taiga Eurasiens) zurück.

Vogelbeobachtungen in Münchenstein

Viele weitere Beobachtungen machten unsere Späher auf Vogelpirsch. Dieser Kleiber baute sich beispielsweise im Juni nahe der Holzbrücke ein Nest.

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Dieser Kleiber hatte eine schöne Baumhöhle für den Nestbau gefunden. (Foto: Annegret Schnider)

Kleiber sind Höhlenbrüter, zimmern ihre Nisthöhlen aber nie selbst, sondern suchen sich dafür Baumhöhlen, Mauerlöcher oder auch Nistkästen. Sie verkleinern das Einflugloch mit Erde oder Lehm, bis es an ihre Körpergrösse angepasst ist.

Erstaunlich, wie sie das nur mit Hilfe ihres Schnabels fertig bringen können! Auch als die Jungen bereits ausgeflogen waren, war die Nisthöhle noch lange gut zu sehen.

Im Park im Grünen liess sich dieser Teichrohrsänger sehr gut beobachten:

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Sänger im Schilf im Park im Grünen. (Foto: Andi Meier)

Der Teichrohrsänger sang an einem Morgen im Mai fleissig im Schilf. Zum Glück setzte er sich dann noch in den Baum, sang weiter und liess sich von Andi Meier fotografieren.

Eine erstaunliche Beobachtung wurde in einem Münchensteiner Garten gemacht, in dem eine Heckenbraunelle regelmässig zu Besucht ist.

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2018 war der sechste Winter in dem diese Heckenbraunelle den Münchensteiner Garten besuchte. (Foto: Annegret Schnider)

Seit sechs Wintern kommt diese Heckenbraunelle an die Futterstelle. Da kommt die Frage auf, wie alt eigentlich Vögel werden.

Das Jahr 2018 war ornithologisch sehr spannend und die Vogelfreunde freuen sich schon auf die interessante Beobachtungen im 2019!

Die detaillierte Statistik kannst du auf der Vogelstatistik für Münchenstein (2005-2018) von Peter Ertl ansehen. Die Vogelsichtungen von 2005 bis heute kannst du hier unter den Downloads rechts herunterladen: Vogelsichtungen 2005-2017.

Weitere Neuigkeiten über die Natur in Münchenstein und der Region erfährst du in unserem Jahresbericht, du kannst ihn hier herunterladen: Jahresbericht 2018.

Möchtest du wissen, welche Vögel du im Winter beobachtet kannst? Wenn du auch Vögel beobachten willst, kannst du ihnen im Sommer mit einer Vogeltränke eine Freude machen und sie dort beobachten. Oder du stellst den Vögeln im Winter Futter bereit.

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Wir danken Peter Ertl für das Zusammenstellen der Daten.

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