Naturblog

Die Tiere im Vogelhölzli

Für viele Tiere ist das Vogelhölz ein ungestörter Lebensraum. (Bild: Illustrationen Ben Fürst).

Das Vogelhölzli ist seit Jahrzehnten ein ungestörter Lebensraum für eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt. Schwanzmeisen und Mäusebussarde ziehen hier ihre Jungen auf und der Mittelspecht stochert in den toten Baumstämmen nach Insekten. Der Zaunkönig baut im dichten Bewuchs ungestört sein Nest.

Die Birs wurde auf dem Abschnitt «Vogelhölzli » (Neuewelt bis Schänzli) über mehrere Jahre revitalisiert. Im Gegensatz zu früher liegt der Weg neu an der Böschungsoberkante. Die Beobachtungskanzel mit der Infotafel bietet einen Blick zum rechten Ufer auf das Vogelreservat "Vogelhölzli". Dieses Vogelschutzgebiet bleibt auch weiterhin für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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Die Beboachtungskanzel mit Blick aufs Vogelhölzli bei Hochwasser.

Der Wald, die Abbruchkante des Ufers und die Birs garantieren das Überleben der Tiere beim Vogelhölzli. Der Eisvogel gräbt am Steilufer eine Röhre mit einer Nistkammer für seine Jungen. Die Wasseramsel findet in den störungsarmen Wasserbereichen Insektenlarven, Wasserkäfer und Flohkrebse, um sich den Magen zu füllen.

Die Geschichte des Vogelhölzli

Der Tierschutz beider Basel pachtet das 2.5 Hektaren grosse Schutzgebiet seit 1933 vom Kanton Basel-Landschaft und betreut es. Einst beherbergte das Vogelhölzli Stammgäste wie Feldhase, Nachtigall oder den Pirol. Diese Bewohner sind mit dem Bau der angrenzenden Autobahn 1982 verschwunden und das Vogelhölzli schrumpfte auf einen Drittel seiner ursprünglichen Fläche.

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Blick über das Vogelhölzli. Die quadratische Ausbuchtung am unteren Weg ist die Beobachtungskanzel mit dem Infoschild.

Seit der Revitalisierung 2014 wechseln sich in der Birs ruhige Abschnitte und rauschende Strömungen ab. Innert kurzer Zeit ist der Uferabschnitt ein attraktiver Lebensraum für viele Vögel geworden. Auch dem Eisvogel - für dessen Schutz sich der NVVM einsetzt - scheinen die neuen Steilwände zu gefallen und die neugestalteten Buchten bieten Fischchen guten Schutz vor der starken Strömung.

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Der Eisvogel brütet in Steilwänden. (Foto: Andi Meier).

Die Vögel im Vogelhölzli

Der Mittelspecht bevorzugt Laubund Auenwälder mit vielen alten Eichen und Totholz. Sein Schnabel ist feiner als bei anderen Spechten und eher zum Stochern als zum Hacken geeignet. Trommeln hört man ihn nur sehr selten. Er markiert dafür sein Revier in der Brutzeit mit einem klagenden Quäken. In der Schweiz ist er potenziell gefährdet, im Raum Basel kommt er noch in grösseren Beständen vor.

Der Mäusebussard segelt gern über der Region und schläft und brütet meist im Wald. Auch im Vogelhölzli zieht er Nachwuchs auf.

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Der Mäusebussard segelt über Münchenstein und findet im Vogelhölzli Raum zum Brüten. (Foto: Andi Meier).

Der Zaunkönig ist einer der kleinsten Vögel der Schweiz, dafür hat er eine umso lautere Stimme. Das Männchen baut eines oder mehrere Nester auf dem oder nahe am Boden. Das Weibchen wählt eines aus und polstert es für das Brutgeschäft mit feinem Material aus.

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Winzig aber sehr laut: der Zaunkönig. (Foto: Torben Weber).

Die Schwanzmeise baut aus Moos, Fasern, Haaren und Federn eines der weichsten Nester der Vogelwelt. In kalten Nächten kuscheln sich manchmal mehrere Vögel auf einem Ast zusammen.

Auch Mönchsgrasmücke, Buchfink, Zilpzalp, Kleiber, Stockente, Graureiher, Amsel (5), Blaumeise (6), Eichelhäher (7), Siebenschläfer (8) und Eichhörnchen finden im Vogelhölzli ein Zuhause.

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Der Kleiber klettert im Vogelhölzli ungestört. (Foto: Andi Meier).

Die Wasseramsel  ist der einzige Singvogel, der seine Nahrung unter Wasser sucht. Sie schwimmt und taucht geschickt und erbeutet vor allem Larven von Wasserinsekten, selten kleine Fischchen. Der Wasseramsel gefällt es überall, wo es permanent fliessendes Wasser, grosse Steine im Wasserlauf oder Uferabbrüche gibt. Ihre Kugelnester baut sie in Wassernähe in Höhlungen, hinter Wasserfällen oder unter Brücken.

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Der Wasseramsel gefällt es an Fliessgewässern.(Foto: Andi Meier).

Die Bachstelze erkennt man sofort an ihrem trippelnden Gang, dem wippenden Schwanz und den nickenden Kopfbewegungen. Sie fühlt sich überall dort zu Hause, wo sie Brutnischen für ihr Nest findet.

Die Gebirgsstelze mag naturnahe Flüsse und Bäche mit kiesigen Ufern. In Nischen und Uferabbrüchen baut sie ihr Nest. Wie alle Stelzen wippt sie ständig mit dem Schwanz. So verständigt sie sich mit Artgenossen, denn das Rauschen des Wassers übertönt oft alle Rufe und Gesänge.

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Lebt gern an an naturnahen Gewässern: die Gebirgstelze. (Foto: Andi Meier).

Der Eisvogel gräbt zum Brüten eine lange, waagrechte Röhre ins Steilufer. Ihm gefällt es an Gewässern, die von Gehölzen gesäumt sind und wo es viele Sitzwarten gibt. Wenn er im Wasser Beute entdeckt, stürzt er sich von der Sitzwarte aus kopfüber hinein. Der Eisvogel ist sehr scheu und ergreift bei der kleinsten Störung die Flucht.

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Dem Eisvolgel gefällt es an Orten, wo es viele Sitzwarten gibt. (Foto: Andi Meier).

Mit dem Hakenschnabel und den Sägezähnen am Schnabelrand hält der Gänsesäger seine Beutefische fest. Er lebt gerne an naturnahen Gewässern. Flussverbauungen und Gewässerverschmutzung machen ihm das Leben schwer. Von Freizeitaktivitäten fühlt er sich schnell gestört.

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Fühlt sich schnell gestört: der Gänsesäger. (Foto: Andi Meier).

Die Bachforelle verlässt ihr Territorium nur, um zwischen Oktober und Januar auf kiesigem Untergrund die Eier abzulegen. Tagsüber verbirgt sie sich im Schatten des Ufers und bleibt – mit dem Kopf gegen die Strömung gerichtet – an Ort. Die Bachforelle ist sehr aufmerksam. Sie flüchtet schon bei kleinsten Erschütterungen oder wegen Schatten, die sich bewegen. Wird sie zu oft gestört, verlässt sie ihr Territorium.

Was bringt die Zukunft?

Zunehmende Freizeitnutzung macht den Tieren im Vogelhölzli zu schaffen. Eine Infotafel auf am Münchensteiner Ufer ruft dazu auf, Rücksicht zu nehmen und den Tieren ihre Ruhe zu gönnen. Wer sein Interesse an der Natur mit dem Beobachten aus der Ferne stillt, wird mit der Freude über die Vielfalt im Vogelhölzli belohnt.

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Gönn dem Graureiher seine Ruhe und beobachte ihn aus der Ferne. (Foto: Marco Stalder).

Der NVVM hat beim Erstellen der Infotafeln des Tiefbauamts Basel-Landschaft mitgewirkt. Diese sollen helfen, die Menschen zu sensibilisieren und den Tieren etwas Ruhe zu gönnen.

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