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Wespenspinnen breiten sich aus

Typisch Wespenspinne: gelbe, schwarze und weisse Streifen. (Foto: Annegret Schnider)

Die Wespenspinne (Argiope bruennichi) gehört zu den Radnetzspinnen. Sie ist recht gross, das Weibchen kann bis zu zwei Zentimeter lang werden, das Männchen allerdings nur bis fünf Millimeter.

Den Namen hat sie aufgrund ihrer auffälligen Färbung erhalten: Auf dem Hinterleib des Weibchens befinden sich gelbe, schwarze und weisse Querstreifen.

Wie du das Netz der Wespenspinne erkennst

Es gibt noch ein weiteres Merkmal, anhand dessen man eine Wespenspinne erkennen kann: In ihrem Netz findet man oberhalb und unterhalb der Mitte ein weisses Zickzackband aus eng beieinander gewobenen Fäden, welches senkrecht durch das Netz der verläuft. Es wird als Stabiliment bezeichnet. Darauf sitzt die Spinne und wartet auf Insekten, die sich im Netz verfangen.

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Wofür genau das Zickzackband ist, ist noch nicht ganz geklärt. (Foto: Annegret Schnider).

Klimaerwärmung: Radnetzspinnen breiten sich aus

Die Wespenspinne stammt aus dem Mittelmeerraum und noch vor ein paar Jahrzehnten kam sie bei uns nur selten vor. Heute hat sie sich über ganz Europa ausgebreitet und wird bis in die skandinavischen Länder immer häufiger angetroffen.

Die Ausbreitung der Spinnen geschieht vor allem, indem sich die jungen Spinnen - an einem Seidenfaden schwebend - durch den Wind verdriften lassen. Die Ursache für dies Ausbreitung ist nicht bekannt. Naheliegend ist aber, dass sie durch die Klimaerwärmung begünstigt wird.

Wespenspinnen leben bevorzugt in Brachen und naturbelassenen Wiesen mit einer strukturreichen Vegetationsschicht. Dabei sollten die Standorte warm sein. Ihr Netz, errichtet die Wespenspinne in Bodennähe bis zu einem Meter Höhe, da ihre Beutetiere Heuschrecken und andere Hautflügler teilweise springen.

Wichtig ist ihr, dass der Lebensraum wenig gestört wird und dass die Vegetation langfristig stehen bleibt, denn sonst werden die Netze zerstört und müssen wieder gebaut werden. Die Wespenspinne kann ihr Netz zwar jederzeit erneuern, wandert aber aus dem betreffenden Lebensraum ab, wenn das zu häufig nötig ist.

Das Spinnennetz: Stabil und doch elastisch

Die Spinnseiden, die zum Netz- und Kokonbau gebraucht werden, bestehen alle aus verschiedenen Eiweissen. Sie sind fest wie Glas und gleichzeitig elastisch wie Nylon. So entsteht eine elastische Reissfestigkeit, die nötig ist, denn das Netz soll auch grosse Insekten in ihrem Flug stoppen können, ohne zu zerreissen.

Die Spinne verwendet verschiedene Seidentypen mit unterschiedlichen Eigenschaften: Die Rahmenfäden sind besonders reissfest, während die Fangspirale mit Leimtropfen besetzt ist und beim Einwickeln der Beute werden richtige Seidenbänder verwendet.

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(Foto: Annegret Schnider).

Liebeswerben: Gitarre spielend in den Tod

Ab Ende Juli suchen sich die Männchen ein Weibchen und zupfen artspezifisch an den Fäden ihres Netzes, bis das Weibchen zur Paarung bereit ist. Kaum hat die Kopulation begonnen, umspinnt das Weibchen das Männchen mit Fesselfäden, um es anschliessend als Beute zu verspeisen. Nur selten gelingt es dem Männchen noch zu entweichen.

Nach der Kopulation verlassen die Weibchen ihr Netz und umspinnen in der Nähe in der dichteren Vegetation ein Gelege von etwa 300 gelben Eiern mit einer festen Hülle.

Spinnenkinder – vom Winde verweht

Diese Kokons sehen Krug förmig aus sind relativ gross und da sie aus verschiedenen Fadentypen bestehen sind sie hellbeige. Die Wespenspinne kann mehrere Kokons produzieren, welche sie dann in der Vegetation rund um das Netz aufhängt und einige Zeit bewacht.

Später wird der gut geschützte und getarnte Kokon sich selbst überlassen und das Weibchen stirbt ab.

1BlogWespenspinneASchniderKokonTinyEtwa 300 Eier sind in einem Wespenspinnen-Kokon. (Foto: Annegret Schnider).


Nach wenigen Wochen schlüpfen die ersten Jungspinnen aus den Eiern, überwintern aber im Kokon.

Im Mai des darauffolgenden Jahres verlassen die winzigen jungen Wespenspinnen ihre Kokons und krabbeln bei günstigem Wetter auf die nächststehenden Halmspitzen. Dort produzieren sie einen Spinnfaden, mit dem sie sich vom Wind forttragen lassen.

Sind höhere Pflanzenteile im Wege und verfängt sich der Faden daran, erklettern die Spinnen die höhere Spitze und starten erneut. Die Luftströmung bestimmt den Ort wo sie landen.

Gleich nach der Landung beginnen die Spinnen mit dem Bau eines Fangnetzes. In den Wochen darauf durchlaufen die Jungspinnen neun bis zwölf Häutungen bis zur Geschlechtsreife im Juli.

Je nach Witterung kann man dementsprechend ab Mai Wespenspinnen-Jungtiere beobachten und von Juli bis August sind vermehrt erwachsene Tiere unterwegs. Da die Männchen nach dem Geschlechtsakt dem angeborenen Kannibalismus der Weibchen zum Opfer fallen, sieht man im Herbst fast nur noch die Weibchen.

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